RotwelschNebst einer automatisierten | |
Exkurs | Excursion |
| Elfriede war gleich dazu bereit. Und nun standen die beiden Kinder nebeneinander und blätterten in dem Buch, und die Kleine sog jedes Wort ein, was die Große sagte. Dubslav aber hörte zu und wußte nicht, wem von beiden er ein größeres Interesse zuwenden sollte. Zuletzt aber war es doch wohl Elfriede, weil sie den wehmütigen Zauber all derer hatte, die früh abberufen werden. Ihr zarter, beinahe körperloser Leib schien zu sagen: »Ich sterbe.« Aber ihre Seele wußte nichts davon; die leuchtete und sagte: »Ich lebe.« | Elfriede was equivalent ready for it. And now the two children stood next to each other and leafed through the book, and the small one aspirated each word, which said the large one. Dubslav however listened and did not know not, he should turn a larger interest to whom from both. Last however it was nevertheless probably Elfriede, because it had the wehmuetigen charm all those, which will early recall. Their tender, almost bodyless body seemed to say: »I die.« But their soul did not know anything of it; those shone and said: »I live.« |
| Das mit den Bilderbüchern dauerte mehrere Tage. Dann sagte Dubslav: »Engelke, das Kind fängt heute schon wieder von vorn an; es ist mit allen vier Bänden, so dick sie sind, schon zweimal durch; ich sehe, wir müssen uns was Neues ausbaldowern. Das is nämlich ein Wort aus der Diebssprache; soweit sind wir nu schon. Übrigens ist mir was Gutes eingefallen: hol ihr eine von unsern Wetterfahnen herunter. Die stehn ja da bloß so rum, un wenn ich tot bin und alles abgeschätzt wird - was sie >ordnen< nennen -, dann kommt Kupferschmied Reuter aus Gransee und taxiert es auf fünfundsiebzig Pfennig.« | With the picture books several days lasted. Then Dubslav said: »Engelke, the child begins today already again from the front; it is so thick with all four volumes, it is, already twice through; I see, we must do us which new ausbaldowern. Is the word from the thief language; so far already are we nu. By the way me which property occurred: you bring down one of unsern wetterfahnen. Stehn there only like that the rum, un if I is dead and everything is measured - which they >ordnen< call -, then coppersmith Reuter comes from Gransee and rates it on seventy-five Pfennig.« |
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| Diebssprache, ja ? | Thief language? |
| Muß aber schon länger her sein. | Must be however already longer ago. |
| Ist es auch - seit dem 13. Jahrhundert gilt Rotwelsch als Sprache der Vagabunden, nur wenig später auch der Diebe und sonstigen Ganoven, das starke Anleihen aus dem Jiddischen und dem Zigeunerischen nahm. Bis heute finden sich Überbleibsel dieser Nischensprache im Hochdeutschen: berappen, foppen, Hochstapler, mogeln und nassauern - um nur einige zu nennen. | It is also - since that 13. Century is considered to Rotwelsch as language of the vagabonds, only little later also the thieves and other Ganoven, who took strong loans from Jiddi and Zigeuneri. Until today is leftover of this niche language in the high German: berappen, tease, hochstapler, mogeln and nassauern - over only some to call. |
| Dem Rotwelsch entstammt auch das Wort ausbaldowern, das eine lange etymologische Reise hinter sich hat. Aus dem Hebräischen ba' al-dawar ~ der Herr des Wortes, bzw. der Sache ~ wurde im Mittelalter der Euphemismus für den Teufel. Schließlich gibt das Jiddische noch eine Zutat: baldower ~der Betreffende, bzw. in Rede Stehende~ und schon ist daraus die Bedeutung Kundschafter geworden. In der Ganovensprache jedenfalls - und im 19. Jahrhundert gelangt die verbalisierte Form hauptsächlich im Berlinischen in die Umgangssprache: ausbaldowern. | The Rotwelsch comes of also the word ausbaldowern, which has a long etymologische journey behind itself. From the Hebrew one ba ' aluminium-dawar ~ the gentleman of the word, and/or the thing ~ became in the Middle Ages of the Euphemismus for the devil. Finally gives Jiddi still one added: ~the concerning, and/or in speech standing~ and became already more baldower from it the meaning scout. In the Ganovensprache anyhow - and in 19. Century arrives the verbalisierte form mainly in Berlini into the colloquial language: ausbaldowern . |
| Ob der Kundschafter - der Ausbaldowernde quasi - gleichzeitig auch die Wache, der Aufpasser war, ist nicht bekannt. Sicher ist hingegen, daß das aus dem Hebräischen stammende Wort semira(h) genau dieses bedeutet: Wache, Bewachung, Wächter. Daraus ist im 19. Jahrhundert die Redewendung Schmiere stehen entstanden - auch hier hat Rotwelsch seinen Beitrag geleistet: auf der Schme(h)re stehen ~ eben bei illegalem Vorhaben aufpassen, ob jemand kommt. Daher soll auch die Bezeichnung Schmiere für Polizei kommen. | Whether the scout - the Ausbaldowernde quasi - at the same time also the guard, which was Aufpasser, is not well-known. Safe it is however that from the Hebrew coming word the semira(h) means exactly this: Guard, guard, guard. From this is in 19. Stand for century the idiom lubricant developed - Rotwelsch made its contribution also here: on the Schme(h)re it stand ~ evenly with illegal project watch out whether someone comes. Therefore also the designation lubricant is to come for police. |
| Aber wie kommt jetzt die Schmiere ins Theater, wie Gerhard Hauptmann schrieb - oder gar auf den Schmierzettel ? | But as now the lubricant comes into the theatre, as Gerhard captain wrote - or on the rough draft? |
| Von anderen Bedeutungen ganz zu schweigen. | To be silent from other meanings completely. |
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| Ein kurzer Exkurs - ich lese noch einige Seiten, dann kommt Der Stechlin neben Die Wanderungen durch die Mark Brandenburg in den Bücherschrank. | A short excursion - I read still some sides, then the Stechlin comes apart from the migrations by the Mark Brandenburg into the bookcase. |
| Unter F natürlich - F wie Fontane. | Under F naturally - F such as Fontane. |
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